Deuzer-Forum.de :: Netphen-Deuz im Siegerland (Siegen-Wittgenstein)

Deuz um 1945Geschichte

In der Vorgeschichte

Die erste urkundliche Erwähnung von Deuz erfolgte im Jahre 1290. Diese Datum darf aber nicht mit der Erstbesiedelung in Zusammenhang gebracht werden, denn bei Grabungen und Schürfungen auf dem Halsberg stieß man auf eine größere Anzahl von Scherben- und Knochenfunden sowie zahlreichen Urnen und Leichenbrannestern. Diese Funde lassen den Schluss zu, dass am Westhang des Tals "in der Brachbach" eine Besiedlung erfolgt sein muss, welches nicht nur durch die günstige Lage und das Vorhandensein von Quellwasser vermutet wird. Bei Ausschachtungsarbeiten im Jahre 1954 des Wohnauses Robert Braach in der Habachsiedlung wurde eine Grube mit einem Durchmesser von 120cm freigelegt, die Reste von Holzkohle, rotgebranntem Lehm und einer Bruchstücke von Mahlsteinen aus hessischen Dolorit enthielten. In der mittleren Partie dieser Grube wurden etwa 30 bis 40 Gefäße gefunden. Eine große Schieferplate schloss den Grubeninhalt nach oben hin ab. Vermutlich sind die oberflächlichen Reste der Siedlung im Laufe der Jahrhunderte abgeschwemmt worden, so dass nur die Teile und Gegenstände erhalten geblieben sind, die in die Vertiefung gelangten. Die Formen und Verzierungen der GefäßBruchstücke, wie sie in der Habach gefunden wurden, schließen auf Funde aus der Früh-La-Téne-Zeit. Fundstücke dieser Art wurden auch in der Umgebung der Wallburg von Rittershausen festgestellt.

Es wurde vermutet, dass die Siedler noch keine Eisenverhüttung betrieben haben. Heute ist man aber anderer Ansicht, denn in unmittelbarer Nähe des Wohnplatzes am Gegenhang um den "Schmidthain",  sowie am Bachlauf des Brachbaches, sowie unweit des ersten siedlungsplatzes "in der Langenbach" stieß man auf Schlackenfunde und anderen Zeugnissen, die auf Eisenverhüttung aus der Spät-La-Téne-Zeit schließen lassen.

In der Folgezeit fehlen allerdings Zeugnisse einer Besiedlung völlig. Da dieser Zeitraum fast ein Jahrtausend ausmacht, sollte man die sicherlich vorhandenen La-Téne-Siedlung in Deuz nicht in unmittelbaren Zusammenhang mit dem heutigen Ort in Verbindung bringen.
 

Aus der Vorgeschichte

Die erste urkundliche Erwählung findet Deuz in einer Urkunde vom 23. April 1290, nach der Ritter Konrad von Hayn an Lipa in Deuz, der Witwe des Wolmar, den Zehnten in Deuz verkauft. Der Text dieser Urkunde war lateinisch und der Ort heißt dort einmal "Dütze" und das andere Mal "Düce". Diese Schreiweise hat sich laufend verändert. Zwischen 1400 und 1800 findet man Namen wie Dutze, Duze, Dujtze und Deutze. Ab 1805 besteht die heutige Schreibweise: Deuz. Um 1300 wird Dutze im kirchlichen Abgabenregister an den Probst von Amöneberg erwähnt. Letzterer erhielt die Abgabe als Vertreter des Probstes des St. Stephan von Mainz. 1566 sind 33 schätzungspflichtige Einwohner und 27 Häuser vorhanden. 1604 werden unter herrschaftlichen Gütern die Lehngüter der Schmidtfrau zu Deuz erwähnt Vermutlich nadelt es sich um die Schmiede, die nach der Überlieferung unter dem Weiherdamm gestanden haben soll.

Den Namen des Dorfes Dütze will man u.a. von Dotze = stoßen ableiten, d.h. Sieg und Werthe stoßen = dotze hier zusammen. Aus dem Jahre 1758 stammt ein Buch "Wiesenbuch der Gemeinde Deutzen", von dem damaligen Heimberger Bürgermeister Johann Heinrich Vitt (Scheffe) verfasst. Es enthielt auch Angaben über den Grundbesitz des einzelnen. Danach waren 1758 37 Häuser vorhanden. 1820 zählte man 281 Einwohner, davon 224 evgelisch und 57 katholisch. In die Schule gingen 34 Knaben und 22 Mädchen. An Vieh waren vorhanden: 2 Pferde, 2 Faselochsen, 23 Fahrochsen, 110 Kühe, 34 Rinder und 41 Schweine.

Im Jahr 1783 soll eine große Trockenheit gewesen sein. Der "Legnepfuhl" wäre fast ganz trocken gewesen. 1784 hätte man Schneemengen gehabt, wie in den nächsten 50 Jahren nicht wieder. In den Jahren 1798 bis 1806 waren Kriegslasten aufzubringen. Der letzte oranische Fürst Friedrich Wilhelm bestieg als Friedrich I. den Thron von Holland. Da er dem Rheinbund nicht beitrat, wurde er seines Besitzes verlustig. Das Siegerland kam dann unter die Herrschaft von Murrat (franz.). Deuz gehörte zum Siegdepartement, Arrondissement Siegen, Kanton Netphen, Mairie Irmgarteichen. Diese Mairie hat bis 1829 bestanden.

Ab 1.1.1810 galt der Code Civil. Das Lehnswesen wurde abgeschafft, ebenso die Frondienste. 1813/14 hatte Deuz Einquartierungen der schlesischen Armee, die aus Preußen und Russen bestand. Die Russen probierten ihre Säbel an den Eichepfosten im Gastzimmer der Wirtschaft Klein. Die Spuren sind heute noch sichtbar. Im Jahre 1816 kam das Siegerland zu Preußen und gehörte zunächst zu Koblenz, erst ab 1.6.1817 zu Arnsberg. In den Jahren 1854/55 wurde die Sieg-Lahnstraße, 1861/62 die Deuz-Siegener Straße und die Deuz-Dillenburger Straße gebaut.

Der Beschluss, die Kleinbahn Weidenau-Deuz zu bauen, wurde bereits 1901 getroffen. Mit dem Bau wurde 1906 begonnen und am 1.12.1906 konnte man die Strecke freigeben (Baukosten 1000000 Reichsmark mit je 1/3 Beteiligung von Kreis, Provinz und Staat). Die Erweiterung bis Irmgarteichen-Werthenbach wurde im Jahre 1914 begonnen.

Die erste Straßenbeleuchtung mit 9 Lampen wird im Jahre 1906 in Auftrag gegeben, den Strom liefert die Firma Irle. Im Jahre 1908 wird die erste Wasserleitung gebaut, aus der das köstliche Nass bis 1912 kostenlos sprudelt. Durch ständige Überlastung der Firma Irle bedingt, geht die Gemeinde 1930 an das Netz des EW Siegerland. Im Jahre 1950 ist die Grundsteinlegung des Schulneubaus, der 1957 der Bau des Deuzer Freibades folgte. Ein letzter großer Festakt ist die Einweihung der Schulturnhalle 1966, den schon am 20.12.1968 tagt der Deuzer Gemeinderat zum letzten Mal, denn laut Gebietsreformgesetz verliert Deuz zum 1.1.1969 seine politische Eigenständigkeit und geht in die Großgemeinde Netphen über.


 
Quelle: 75 Jahre Männergesangverein Deuz 1919, Festschrift zu den Festtagen vom 2.-5. Juni 1994, S. 4ff. Weiterführende Quelle: Deuz - Akten, Fakten, Anekdoten, Dr.Herbert Kneppe, Festausschuß 700 Jahre Deuz, 1990, Netphen.